Schmerztherapie - Mit EMDR Schmerzen nachhaltig behandeln

Schmerztherapie mit EMDR in meiner Praxis wendet sich an Patienten, bei denen kein aktuell auslösender Reiz (z.B. die Entzündung eines Gelenks) Ursache für ihr Schmerzerlebnis ist. Vielmehr richtet sich mein Angebot an Patienten, die seit mehreren Monaten unter Schmerzen leiden, welche keine klaren Ursachen mehr haben, und durch diese körperlich, geistig oder sozial eingeschränkt werden.

Therapiemethode EMDR

EMDR ist eine etablierte Methode der Psychotherapie, die ihren Ursprung in der Traumatherapie hat. Mittlerweile hat sich jedoch gezeigt, dass die Anwendungsmöglichkeiten von EMDR weit darüber hinaus reichen. Daher hat diese Methode auch Einzug in viele andere Bereiche gefunden, wie z.B. in die Schmerztherapie. Die Wirksamkeit von EMDR wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt, so dass der Wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie 2006 EMDR als Psychotherapiemethode anerkannt hat.

Zentrales Element der EMDR-Therapie ist die Desensibilisierung gegenüber und Nachverarbeitung von belastenden Erfahrungen unter Nutzung bilaterale Stimulation. Der Patient folgt dabei den Fingern des Therapeuten mit seinen Augen, während dieser seine Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. Die Augenbewegungen des Patienten sind dabei mit den Augenbewegungen im REM-Schlaf vergleichbar - der Phase des Schlafes, in der das Gehirn die Geschehnisse des Tages verarbeitet. Alternativ zu den Handbewegungen kann der Therapeut Töne einsetzen oder abwechselnd die Handrücken des Patienten berühren.

Die bilaterale Stimulation unterstützt somit das Gehirn dabei, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die belastenden Erfahrungen funktional aufzuarbeiten und diese neu assoziiert und heilsam in das Gehirn zu integrieren.

Neuronale Netzwerke und Schmerzgedächtnis

Die Wahrnehmung und Verarbeitung von komplexen Informationen findet im Gehirn in Form von neuronalen Netzwerken statt. Als neuronale Netzwerke wird eine Anzahl von miteinander verknüpften Nervenzellen bezeichnet, die als Teil des Nervensystems einen funktionellen Zusammenhang bilden. Durch die Variation der einzelnen Verknüpfungen können Informationen dauerhaft in solche Netzwerke integriert werden. Dies gilt für alle Erfahrungen und Eindrücke, die ein Mensch in seinem Leben macht sowie für ihre Bedeutung und die sich darauf ableitenden Verhaltensmuster. In diesem Sinne sind traumatische und schmerzhafte Erfahrungen zunächst nur ganz normale Lernerfahrungen, die in unserem Gehirn durch Ausbildung von Trauma- und Schmerz-Netzwerken bleibende Spuren hinterlassen.

Der zentralen Informationsverarbeitung und den zugrunde liegenden Gedächtnisprozessen werden eine wichtige Bedeutung bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzsyndrome zugesprochen. Intensive, wiederholte oder länger andauernde Schmerzen führen daher in den Nervenzellen des Gehirns zu langandauernden Veränderungen in ihrer Aktivität. Infolgedessen kommt es zu Veränderungen von Verschaltungen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) und zum Umbau neuronaler Netzwerke, wodurch im Gehirn komplexe und äußerst stabile "Erinnerungsspuren" ausgebildet werden können. Bei andauernden oder als sehr belastend erlebten Schmerzen kann sich auf diese Weise ein "Schmerzgedächtnis" in Gehirn und Rückenmark ausbilden. Als Folge hieraus kann sich die dadurch verursachte Schmerzwahrnehmung verselbständigen. Schon allein der Gedanke an eine mögliche Berührung der schmerzhaften Region oder die Erinnerung an den ursprünglichen Schmerzauslöser (z.B. Unfall) können unmittelbar zu einem verstärkten Schmerzerlebnis führen, ohne dass noch ein adäquater Reiz vorliegen würde.

EMDR bei chronischen Schmerzen

Konzeptuell gesprochen befindet sich das Gehirn nach einem langandauernden körperlichen Schmerzerlebnis in einem unangepassten und dysfunktionalen Gedächtniszustand: Es scheint so, als ob unser Gehirn ab einem gewissen Ausmaß intensiver Gefühle von Schmerz seine übliche Prozedur der Informationsverarbeitung nicht mehr adäquat durchführen kann. Die mit dem Schmerz verbundenen Informationen bleiben unbearbeitet (frozen in time).

Über die bilaterale Stimulation im Rahmen einer EMDR-Behandlung wird die natürliche Informationsverarbeitung wieder aktiviert. Die dysfunktional gespeicherten Schmerzerfahrungen werden dabei neu prozessiert, desensibilisiert und im Gehirn neu assoziiert integriert. Die Psyche hat so die Möglichkeit, die belastenden Erlebnisse angemessen in die Gesamtheit aller Erlebnisse einzubauen, sie als einen Teil der Biographie anzuerkennen, ohne durch die Inhalte getriggert oder überwältigt zu werden. Als Wirkmechanismen für die Aktivierung der Informationsverarbeitung gelten:

  • Teilung der Aufmerksamkeit auf äußere Reize und die Erinnerung and das Ereignis
  • Veränderung der neuronalen Netzwerke durch die mittels äußerer Stimuli erzeugten neuronalen Impulse
  • Dekonditionierung, also Vergessen einer Reaktion, infolge einer Entspannungsreaktion

Es wird davon ausgegangen, dass EMDR den Schmerz nicht über einen einzigen, solitären Wirkmechanismus beeinflusst, sondern parallel über mehrere verschiedene Prozesse gleichzeitig den Schmerz modulieren kann. Dabei ist es vom individuellen Entstehungs- und Entwicklungsprofil des Schmerzes eines Patienten abhängig, welchem der einzelnen Effekte die größere Bedeutung beizumessen ist.

Schmerztherapie mit EMDR in meiner Praxis

Als ausgebildeter EMDR-Therapeut gemäß den Richtlinien von EMDRiA, dem Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode EMDR, setze ich EMDR in meiner Praxis bei folgenden Ausgangsthemen ein:

  • Traumaassoziierter Erinnerung zum Schmerz
    Der Fokus der EMDR-Therapie liegt hierbei auf solche Erinnerungen an belastende Ereignisse, die in einer subjektiven Beziehung zu der Schmerzsymptomatik stehen.
  • Schmerzassoziierter Erinnerung zum Schmerz
    Im Fokus der EMDR-Therapie stehen alle belastenden Erinnerungen, die durch den traumatisch erlebten Schmerz an sich oder durch die als traumatisch erlebten Folgen des Schmerzes entstehen.
  • Aktuellen Schmerzen
    Die EMDR-Therapie fokussiert sich auf den Schmerz selbst, so wie er zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrgenommen wird.

Den Einsatz von EMDR im Rahmen einer Schmerztherapie in meiner Praxis mache ich jedoch davon abhängig, ob die Voraussetzungen für eine sinnvolle Anwendung von EMDR gegeben sind und mögliche Kontraindikationen ausgeschlossen werden können. Hierzu findet im Vorfeld eine ausführliche Schmerz- und Traumaanamnese statt, um mir so eine möglichst exakte Vorstellung davon zu verschaffen, wie der Schmerz aktuell von Ihnen erlebt wird. Erst wenn ich über entsprechende Maßnahmen eine Stabilisierung Ihrer aktuellen Situation erzielen konnte, ist der Beginn einer EMDR-Therapie möglich.