Paartherapie / -beratung für Schwule und Lesben

Die Beratung gleichgeschlechtlicherer Paare stellt eine besondere Herausforderung im Rahmen der systemischen Paar- und Familientherapie dar.

In der Beratung homosexueller Paare wird bewusst Wert auf eine Atmosphäre gelegt, in der die schwule oder lesbische Liebes- und Lebensform als selbstverständlich angenommen und wertgeschätzt wird. Wenn auch viele Themen dem heterosexuellen Bereich gleich sind, spielen für homosexuelle Paare spezifische Fragen eine besondere Rolle. Die erschwerte Abgrenzung des Systems "homosexuelle Partnerschaft" gegen die Herkunftsfamilie, die fehlenden Bindungsrituale, der bedrohliche und von Verlustängsten getragene Einfluss von Krankheiten wie z.B. AIDS, das Leben in der schwulen Szene und Lebenswelt, sowie die gesellschaftliche Diskriminierung sind die Eckpunkte einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Sie markieren Konfliktfelder, die in heterosexuellen Beziehungen keine vergleichbare Bedeutung haben.

HomoSEXuelle Lebenswelten

Zunächst einmal gilt, dass Menschen in Paarbeziehungen zumeist dieselben Konflikte (z.B. Streit, eifersüchtiges Verhalten, Untreue, Kommunikationsprobleme) durchlaufen, ungeachtet dessen, ob sie nun eine hetero- oder homosexuelle Paarbeziehung führen. Neben diesen allgemeinen Themen gibt es jedoch spezifische Anliegen, welche in der Beratung gleichgeschlechtlicher Paare eine Rolle spielen.

Ein wichtiges Thema ist dabei oft, ob man als Paar offen und selbstbewußt miteinander leben möchte oder nicht. Dabei geht es insbesondere auch um das homosexuelle Beziehungsleben in der queeren Community bzw. in der Schwulenszene, und wie sich dieses aus Sicht des jeweiligen Partners auf die eigene Paarbeziehung auswirkt. Diesbezüglich kommen einzelne Partner mitunter auch zu deutlich unterschiedlichen und voneinander abweichenden Einschätzungen und Bewertungen. Etwaige Spannungen innerhalb einer homosexuellen Paarbeziehung können sich daher etwa deswegen von einzelnen Partnern wahrgenommen werden, weil der ein mehr Freiheiten wünscht oder der andere derzeit vermehrt auf der Suche nach Verbindlichkeit und Sicherheit innerhalb der Paarbeziehung ist.

Sex und sexuelle Praktiken sind ein weiteres relevantes Thema innerhalb der Paarberatung, insbesondere im Kontext homosexueller Liebes- und Lebenswelten. Die "Szene" bietet eine große und bunte Angebotskultur an Sex-, Fetisch- und Nightlife in Clubs und einschlägigen Veranstaltungen. Das macht manches auf- und anregend, manchmal aber auch kompliziert. Zumindest sind homosexuelle Paarbeziehungen häufig nicht losgelöst von einer vielgestaltigen sexuellen Angebots- und Lebenskultur verstehbar. Manchmal gehen beide Partner aus und nutzen leidenschaftliche Angebote und leben ihre sexuellen Praktiken und Vorlieben aus, manchmal ist es aber auch nur einer von beiden. Oder es wird von einem Partner der Versuch unternommen, Erlebtes in die eigene Paarbeziehung zu integrieren. Dadurch können sich Konflikte ergeben, weil die primäre Paarbeziehung möglicherweise von einem Partner als bedroht angesehen wird.

Beziehungsformen und Rollenbilder

Homosexuelle Beziehungsformen sind natürlich genauso vielseitig wie ihre heterosexuellen Gegenstücke. Es gibt hier ebenso die klassische monogame Paarbeziehung, die ("Homo-") Ehe und offene Beziehungen, aber auch kurze Beziehungsformen, in denen insbesondere das sexuelle Ausleben einen hohen Stellenwert hat, wie z.B. bei "friends with benefits", also einer Art "Fuckbuddy"-Verbindung, oder einem One-Night-Stand. Für viele homosexuelle Paare besteht jedoch oft der Wunsch, die klassische Beziehungsformen zu überdenken und die eigene Partnerschaft neu und individuell zu definieren, bei gleichzeitiger Suche nach Treue und Verbindlichkeit.

Die Vielzahl an potentiell wählbaren Beziehungsvariationen kann für viele homosexuelle Paare auch zu einer großen Herausforderung werden - nicht nur als Qual der Wahl, sondern auch hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung einer gewählten Beziehungsform im Alltag und der Lebenswirklichkeit. Denn möglicherweise sehen sie sich in der Verantwortung zu erfragen, was der jeweils andere Partner beabsichtigt und wie - danach individuell aus-gerichtet - die eigene Beziehung zu definieren bzw. das eigene Beziehungsleben zu gestalten ist. Hierbei gibt es oft Partner, die sich mit ihrer Partnerschaft wertschätzend aber auch kritisch auseinandersetzen und nach dem Wohl und Wehe ihres gleichgeschlechtlichen Beziehungslebens fragen. Allerdings kommt es auch immer wieder vor, dass einer der Partner mehr sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse im Blick hat, was unweigerlich zu einer dysbalance in der Paarbeziehung führt.

Innerhalb der gewählten gleichgeschlechtlichen Beziehungsform kommt es immer wieder vor, dass die klassischen Rollenzuweisungen "männlich" und "weiblich" thematisiert werden. Einige Partner entscheiden sich bewußt dafür, die Frage, wer in einer gleichgeschlechtlichen Paarbeziehung den "typischen Mann" oder die "typische Frau" darstellt, unbeantwortet zu lasen. Nicht jedem Paar scheint diese heteronormative Kategorisierung hilfreich zu sein, wenn es um die Ausgestaltung des Miteinanders in einer Partnerschaft geht. Andere Paare hingegen legen bewusst Wert auf diese Rollen- und Typenbeschreibung, wenn sie zum Beispiel das klassische Bild des "richtig männlichen Parts" oder des "korrekt weiblichen Parts" bedienen möchten. Im Sinne einer homosexuellen Lebenswirklichkeit, gilt es diese Aspekte zu reflektieren und weiter-, um- bzw. neu zu denken.

Beratung homosexueller Paare in meiner Praxis

Die Themen, die homosexuelle Paare zu mir in die Paarberatung mitbringen, sind vielfältig - so unterschiedlich, wie die Menschen, die sich mit ihnen in ihrer Paarbeziehung konfrontiert sehen. Vielleicht denken auch Sie daran, mit folgenden Themen und Fragen eine Einzel- oder Paarberatung wahrzunehmen:

  • Umgang mit Streit und dysfunktionaler Kommunikation
  • Vertrauen und Misstrauen, Nähe und Distanz in Balance
  • Leben der homosexuellen Paarbeziehung in der Öffentlichkeit oder im beruflichen Kontext
  • Verhältnis zu den Herkunftsfamilien (z.B. Rückhalt oder Ablehnung)
  • Gestaltung von Verbindlichkeit und Treue in einer (offenen) Partnerschaft
  • Umgang mit der sexuellen Angebotskultur in Internet und Szene
  • Angst vor bzw. Umgang mit Krankheiten in der Partnerschaft (z.B. HIV, Hepatitis)
  • Sexualität in der Paarbeziehung (z.B. Ausleben von sexuellen Vorlieben)
  • Paarbeziehung trotz eines Altersunterschiedes oder kultureller Unterschiede
  • Leben als Regenbogen- und Patchworkfamilie - Klärung von Rollen und Aufgaben

Meine Paarberatung ist dabei ein moderiertes Gesprächsangebot für Paare und einzelne Partner, die eine Einschätzung von Außen wünschen und mit mir gemeinsam alternative Handlungs- und Denkweisen für Ihre Paarbeziehung suchen möchten.